Davidson College Department of German and Russian

   

 
Ausgehn in Deutschland

In jeder größeren deutschen Stadt findet man viele Möglichkeiten, sein Leben außerhalb der eigenen vier Wände zu verbringen. Das gilt vor allem dann, wenn man etwas trinken will, ob es nun Kaffee oder Bier ist.

Das Café

Die meisten Cafés sind den ganzen Tag geöffnet, und diesen Ort besucht man natürlich am häufigsten,complimentary matches from the "Nikolaushof" in Würzburg wenn man Kaffee trinken will. Vielleicht möchte man dazu auch ein Stück Kuchen essen und genau die Zeitung lesen, die schon von jemand anderem am Nachbartisch gelesen wird. Viele Leute machen es sich hier alleine gemütlich, aber ein Café ist selbstverständlich auch der Ort, wo man in Gruppen (bzw. zu zweit) hingeht und sich miteinander unterhält. Wer dazu keinen gewöhnlichen Kaffee (oderCapuccino, Espresso, Mocca oder Milchkaffee) trinken möchte, kann Kakao, Tee, verschiedene antialkoholische Getränke wie (Mineral-)Wasser oder Cola bestellen. Manchmal gibt es auch Bier in kleinen Flaschen. Koffeinfreien Kaffee sollte man vielleicht nicht unbedingt erwarten, erst recht keine Art von “flavored coffee”. Aber am Vormittag bekommt man hier auch unterschiedliche Sorten von Frühstück. Wenn man bescheiden ist, nimmt man Kaffee, ein Brötchen (mit Käse, Wurst oder Marmelade) und ein gekochtes Ei. Man kann auch unbescheiden sein und dazu noch Croissants, Saft oder Müsli bestellen.

Diese Sachen sind wohl allen Cafés gemeinsam, aber natürlich gibt es - wie bei fast allen Lokalen - unterschiedliche Arten, die unterschiedliche Leute anziehen. Ein bürgerliches Café wird besonders"Kölschstange" - the beer glass from Cologne sauber glänzen, weiße Tischdecken haben und klassische Musik spielen. Die Kellner und Kellnerinnen sind vielleicht schwarzweiss gekleidet. Was man kaufen kann, ist sicher teurer. Studenten besuchen da lieber ihre eigenen Cafés. Entweder solche, die locker und eher alternativ sind, oder solche, die schick und cool sind. Das Café deiner Wahl sollte also einfach deinen Geschmack treffen, aber wenn eine Tasse Kaffee dort mehr als 3 Mark kostet, hast du eindeutig einen ziemlich teuren Geschmack. Und da es grundsätzlich keine “free refills” gibt, sollte man auf so etwas achten, zumal es in Deutschland weder in einem Café noch in einem Restaurant kostenloses (Leitungs-)Wasser mit Eis gibt.

Die Kneipe

Mit der Kneipe ist es wie mit dem Café. Nicht jede ist wie die andere, sondern spricht eine bestimmte Gruppe an. Es gibt bürgerliche Kneipen, die Namen wie “Zum Waldhorn” oder “Rolands Eck” haben, welche dann manchmal in recht germanisch wirkender Schrift über großen Türen hängen. Und es gibt Kneipen, wo Studenten von Studenten bedient werden, außerdem Szenekneipen, wo z. B. nur Hardrock-Fans oder nur Schwule einkehren.

Hier kann man zwar auch Kaffee trinken, aber in einer Kneipe wird normalerweise Alkohol getrunken. Das kann irgendwas “Hochprozentiges” sein, aber der Standard ist natürlich Bier. Dabei gibt es unzählige Marken von verschiedenen Sorten, die zum Teil aus verschiedenen Regionen des Landes kommen (und meist auch in verschiedenen Gläsern ausgeschenkt werden). Aus Bayern kommt zum Beispiel Weizenbier, während man in Köln Kölsch und in Düsseldorf Alt braut. Verschiedene Sorten sind eine Sache von Geschmack oder Gewohnheit. Bockbier, das dunkel und sehr stark ist, ist wahrscheinlich eine Sache, für die man einen seltsamen Geschmack braucht, den man nicht zur Gewohnheit machen sollte. Für die meisten Zungen relativ neutral ist die Sorte Pils, die man praktisch in jeder Kneipe überall im Land findet. Becks ist so ein Bier, aber bestimmt nicht das beste Pils, das aus Deutschland kommt. Wenn man allerdings in einer Kneipe ein Pils bestellt, braucht man ein bißchen Geduld. Es dauert immer einige Minuten, bis unter dem Schaum auch Flüssigkeit im Glas ist.

In der Kneipe trinkt man sein Bier entweder an der Theke oder an einem Tisch. Und wenn die Kneipe sehr voll ist, trinkt man es im freien Stehen. Andererseits braucht man keine Hemmungen zu haben, wenn man sich an einen Tisch setzt, wo schon jemand anders sitzt. Wenn es einen freien Stuhl gibt, fragt man, ob “hier noch frei” ist. Falls ja, ist es kein Problem, neben Fremden zu sitzen. Wenn man seinen Platz hat und etwas trinken will, ist es eigentlich nicht üblich, seine Getränke immer an der Theke zu bestellen und sofort zu bezahlen. Wie in einem Café gibt es eine Bedienung, die die Getränke bringt und mit Strichen auf dem berühmten Deckel markiert. Wenn man genug hat, bezahlt man dann seinen Deckel, dessen Summe auch die Zeche genannt wird.

"Bierdeckel" - the cardboard coaster to keep the tabDie Getränkepreise können sehr unterschiedlich sein. Aber alkoholfreie Drinks sind fast immer teurer als Bier. Das ist nicht die einzige Ironie. Oft sind die Preise in Studentenkneipen etwas höher als in bürgerlichen Lokalen. Im Durchschnitt bezahlt man ca. DM 1,30 für 0,1 Liter Bier vom Faß. Ein normales Glas Bier (mit 0,2 Litern) macht also etwa 2 Mark 60. Solche Daumenregeln gelten allerdings nicht mehr, wenn man eine Maß auf dem Münchner Oktoberfest kauft...

Einige Kneipen öffnen erst am frühen Abend. Die meist bürgerlichen “Gasthöfe” oder “Gasthäuser” sind jedoch schon früher auf, denn hier gibt es in der Regel auch eine Küche, wo man zu Mittag essen kann. Aber fast alle Kneipen - auch unbürgerliche - schliessen spätestens um 1 Uhr morgens. Nur am Wochenende sind sie je nachdem länger geöffnet, oft bis 3 Uhr morgens. Ungefähr eine Viertelstunde vorher kommt dann der Ruf: “Letzte Runde!”

Discos etc.

Disco ist zwar keine übliche Bezeichnung mehr für das, was man in den 60er Jahren noch Tanzlokal nannte, aber so kann man die Läden verstehen, wo es eine Tanzfläche gibt und die Musik laut ist. Heutzutage ist das meistens eine Form von Techno oder Dancefloor. Aber je größer die Stadt, desto diverser die Musikszene.

Am besten informiert man sich bei Kommilitonen, was es wo gibt. Einen Überblick über das Angebot kann man sich außerdem in lokalen Magazinen verschaffen, die es in jeder größeren Stadt gibt. Solche monatlichen Magazine sind grundsätzlich jugendlich und meistens alternativ. Sie bieten journalistische Artikel über ihre Region, Infos über neue Filme, Bücher, CDs usw., und nicht zuletzt einen Kalender für Veranstaltungen aller Art. So kann man schnell nachschauen, ob es an einem bestimmten Tag z. B. ein interessantes Konzert gibt, oder ob in einem bestimmten Club eine bestimmte Art von Musik gespielt wird (manchmal hat ein Club für jeden Wochentag ein anderes Programm, z. B. Indie, 70er oder House etc.).

Wenn du Glück hast, verrät das Magazin dir auch, wie hoch der Eintritt für den Club ist. Denn man kommt nicht immer umsonst rein. In dieser Hinsicht sollte man vorsichtig sein, wenn man am Eingang nur eine Art “punchcard” bekommt. Da werden dann die Getränke nach dem “Deckelprinzip” der Kneipe abgerechnet. Man bezahlt erst dann, wenn man den Club wieder verläßt. Unter Umständen kommt dann noch eine Gebühr für den Eintritt dazu - sozusagen ein “Austrittsgeld”. Eine Variante davon ist der Eintritt mit “Verzehr”: Man bezahlt etwas am Eingang und hat dafür eine bestimmte Anzahl von Getränken frei. Ein Eintrittsgeld muß man oft auch bei Uni-Feten bezahlen. Auch dort kann man trinken und tanzen. Man ist aber nur in Gesellschaft von Studenten. Meistens gibt es am Anfang und am Ende des Semesters eine allgemeine “Semesterparty”. Aber hinzu kommen noch Feten, die von den einzelnen Fakultäten veranstaltet werden. Auf Plakaten wird dann zum Beispiel eine “Medizinerfete” oder eine “BWLer-Party” angekündigt. Die sind dann aber nicht exklusiv für Studenten der Medizin oder Betriebswirtschaft - jeder kann hingehen.

Allgemeines

Cafés, Kneipen und Discos/Clubs sind grundsätzliche Typen von Lokalen. Aber natürlich gibt es Mischformen und Kombinationen davon. Jeder muß im Laufe der Zeit selbst entdecken, wo er am liebsten ausgeht. Man kann also einfach losgehen und die Stadt erkunden. Einfacher ist es natürlich, wenn man an der Uni Anschluß an sympathische Leute findet, die dir ein nettes Lokal zeigen oder Tips geben. Für diesen Zweck kann man sich Fragen wie diese merken:
“Wo kann man denn hier abends hingehen?”
“Kennst Du eine nette Kneipe mit guter Musik?” “Gibt es in der Nähe ein gemütliches Café, das nicht zu teuer ist?”
Möglicherweise sprechen junge Leute in Deutschland nicht immer von einer Kneipe, wenn sie eine meinen. Im Laufe der Zeit werdet ihr euch an umgangssprachliche Ausdrücke gewöhnen, die zum Teil von Region zu Region verschieden sind. Allgemein kann eine Kneipe auch Pinte heißen. Und jede Art von Lokal kann ein Laden sein. Vielleicht ist es nicht die beste Idee, in Deutschland zu fragen, ob es in der Nähe eine gute Bar gibt. Es gibt dieses Wort im Deutschen, und es gibt in Deutschland Läden, die sich so nennen (z. B. Cocktailbars). Aber man könnte trotzdem mißverstanden werden, und dann wird man in eine Richtung geschickt, wo es nur rotes Licht gibt.

Allgemein sollte man auch wissen, dass es in keinem deutschen Lokal unbedingt nötig ist, ein Trinkgeld zu geben. Ein Trinkgeld für die Bedienung ist absolut freiwillig. Also muß man nicht schnell ausrechnen, wieviel 15% von DM 6,80 sind. Aber wenn der Service ausnahmsweise nicht langsam und nicht unfreundlich ist, kannst du ja auch nett sein. Wenn du am Schluss sagst “Zahlen, bitte”, und die Bedienung kommt und sagt “6 Mark 80, bitte”, kannst du ihr ruhig 8 Mark geben. Dafür hört man dann ein routiniertes “Danke” von ihm oder ihr.

Joachim Ghislain / Maggie McCarthy